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Camerariawit - Pheromon für die Roßkastanienminiermotte (Cameraria ohridella)
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Falter

Raupe

Puppe

Blattmine

Mono-Delta-Klebefalle

Fotos: BFW Wien
Institut für Forstschutz

Die Rosskastanienminiermotte (Cameraria ohridella)

Schadbild: Ab Mitte Mai sichtbare helle Flecken (Blattminen) auf den Blättern, die rasch größer werden und im Juni bereits zu einer deutlichen Braunfärbung des Laubes führen. Ab Mitte Juli können bei starkem Befall die Blätter abfallen.

Biologie: Die Puppen überwintern im Falllaub/Boden. Die Falter schlüpfen zwischen Anfang April und Mitte Mai. Der erste Flug dauert etwa 3-4 Wochen. Zuerst schwärmen die Motten im unteren Stammbereich und verweilen auf der Rinde. Die Eiablage findet auf der Oberseite der Blätter statt. Die Entwicklung zur Larve dauert etwa 2-3 Wochen. Die ersten Minen werden ab Mitte/Ende Mai sichtbar. Die Larven minieren im Blatt, hier erfolgt auch die Verpuppung. 2-3 Generationen pro Jahr, 2. Generationen Juli/August, 3. Generation September/ Oktober (in warmen Gebieten bis zu 4 Generationen).

Probleme bei der Bekämpfung

Die Lebensweise der Anfang der 90er-Jahre in Mitteleuropa eingeschleppten Kastanienminiermotte (Cameraria ohridella) ist zwar bereits gut erforscht, aber einer durchschlagenden Bekämpfung steht noch vieles im Weg.

Das Haupthindernis für eine erfolgreiche langfristige Bekämpfung ist das völlige Fehlen natürlicher Feinde. Heimische Nützlinge sind nicht auf die Motte spezialisiert und schaffen dadurch maximal eine 5-7 %ige Parasitierung. Das ist leider viel zu wenig. Es gibt auch am ersten Fundort der Kastanienminiermotte, dem Ohrid-See in Mazedonien, keine Nützlinge, die sich auf die Vertilgung der Motte spezialisiert haben. Deshalb wurde auch hier eine Einschleppung vermutet und als wahrscheinlichstes Ursprungsgebiet Zentralasien genannt. Diese Vermutung konnte aufgrund fehlender finanzieller Ressourcen und der labilen politischen Lage in vielen Ländern der Region bis heute nicht bestätigt oder ausgeschlossen werden.

Eine aufsehenerregende Theorie stellt nun Dr. Mirca Dautbasic von der Universität Sarajevo auf. Dieser hat bei seinen Untersuchungen Hinweise gefunden, dass es bei der Kastanienminiermotte zu einer schnellen genetischen Mutation gekommen ist und es somit auch keine natürlichen Feinde gibt. Sollte sich diese Annahme bestätigen, werden wir noch lange mit der Kastanienminiermotte unsere Plage haben.

Derzeitige Bekämpfungsmöglichkeiten

Hygiene
Die Rosskastanienminiermotte verpuppt sich im Blatt und überwintert auch darin. Aus dem abgefallenen Herbstlaub schlüpfen im nächsten Frühjahr die Schmetterlinge. Durch das Vernichten des Laubes erreicht man deshalb eine deutliche Verringerung der Population. Das Laub kann verbrannt oder kompostiert werden. Der Kompost muss immer abgedichtet sein, so dass keine Motten ausfliegen können. (Kompostvlies oder Erdabdeckung).

Monitoring mit anschließender chemischen Behandlung
Zum Monitoring werden mit Pheromon bestückte Deltafallen verwendet. Sobald die ersten Motten gefangen wurden sollte mit einem biotechnischen Präparat, wie Dimilin oder Nomolt, eine Spritzung vorgenommen werden. Diese Präparate sind für den Menschen ungiftig.

Vorteil: sichere Wirkung
Nachteil: Es muss die Blattoberseite benetzt werden, was bei Großbäumen nur mittels Hebebühnen oder mit am LKW montierten Spezialspritzgeräten vom Boden aus funktioniert.

Massenfang
Ab Mitte April wird eine einseitig beleimte Miniermottentafel inkl. eines Pheromondispensers (Camerariawit) am Stamm der Kastanie montiert und beobachtet. Die Miniermotten sammeln sich vor ihrem Flug zur Eiablage über ein bis zwei Wochen am Stamm der Kastanie.

Optional kann die Rinde 5 bis 7 Tage nach dem ersten größeren Fang auf der Leimtafel mit einem Insektizid (z.B. Fastac) oder mit einem biologischen Spritzmittel (Naturpyrethrum oder Neemazal), mit geringem Druck, besprüht werden (Geringer Druck, damit die kleinen Motten nicht „weggeblasen“ werden!). Dabei werden sehr viele geschlechtsreife Motten, Männchen und Weibchen, abgetötet.

Anschließend werden je nach Größe des Baumes 3 - 5 Miniermottentafeln (immer mit einen Pheromon-Sexuallockstoff bestückt) im unteren Teil der Krone aufgehängt. Mit gefangenen Miniermotten vollgefüllte Tafeln können mit einer Spachtel gereinigt und mit Leim (Soveurode Spezialsprayleim) neu versehen, wieder verwendet werden.

Neu im Test ist eine von der Firma Calantis entwickelte Massenfangfalle, welche intensiv Weibchen und nachfolgend Männchen fängt. Zu Ihrer Sicherheit werden 2004 noch großflächige Versuche erfolgen. Wir werden über diese Versuche berichten.

Vorteil: Massenfang mit Pheromonfallen ist vollkommen biologisch
Nachteil: Probleme durch unbehandelte Kastanien in der Umgebung, wo sich die Miniermotten ungehindert vermehren und für starken Befallsdruck sorgen können.

Injektionsverfahren
Mittels Spezialbehälter oder Injektionen werden hochwirksame Präparate, wie z.B. Imidacloprid (Wirkstoff) in den Kambialbereich unter die Rinde des Baumes gebracht. Diese Mittel werden dadurch aufgenommen und im Baum verteilt. So sind die Blätter gegen Larven geschützt.

Vorteil: Bis zu 3 Jahren Wirkung
Nachteil: Nur von professionellen Firmen anzuwenden. Darüber hinaus sind folgende Fragen ungeklärt:

  • Was passiert mit dem Wirkstoff in den Blättern?
  • Wird der Wirkstoff von Bienen über Nektar und Pollen aufgenommen?
  • Sind die Kastanien kontaminiert?
  • Wie reagiert der Baum langfristig auf das Mittel?

Egal welches Verfahren angewendet wird, wir müssen uns auf einen längeren „Kampf“ zur Kontrolle der Kastanienminiermotte einstellen.


Peter Witasek
BIO/TECHNIK/CHEMIE
e-mail:office@witasek.com
Homepage: www.witasek.com